Alshof: Aus einem geerbten Bauernhof wird ein Schutz- und Lernort
Ein unerwartetes Erbe eröffnet dem Tierschutzverein Rhein-Kreis Neuss neue Möglichkeiten für die Aufnahme von Tieren. Seit Februar 2025 gehört dem Verein der Alshof zwischen Grevenbroich und Rommerskirchen. Nach Angaben des WDR erhielt der Verein damals einen Brief des Amtsgerichts und erfuhr, dass er als Alleinerbe eingesetzt worden war.
Zum Nachlass gehören ein denkmalgeschützter Vierkanthof und 15.000 Quadratmeter Land. Einen Verkauf des Anwesens zog der Verein zunächst in Betracht. Schließlich fiel jedoch die Entscheidung, den Alshof zu behalten und für den Tierschutz zu nutzen. Vereinsvorstand Benjamin Pasternak bezeichnete das Erbe gegenüber dem WDR als „besser als ein Sechser im Lotto“.
Rettungsstation für Großtiere
Der Hof soll zu einer Rettungsstation für Großtiere werden, die im Tierheim Oekoven nicht ausreichend Platz finden. Damit ergänzt der Alshof die bestehenden Unterbringungsmöglichkeiten des Vereins. Gerade Tiere, die mehr Raum benötigen, können auf dem weitläufigen Gelände versorgt werden.
Zu den ersten Bewohnern gehören vier Pferde, sechs Katzen und sechs Hähne. Schildkröten sollen folgen. Eines der Pferde ist die Stute Merri. Nach Angaben von Projektleiterin Lea Gladbach-Krieger wurde Merri früher als Zuchtstute gehalten und sollte geschlachtet werden. Auf dem Alshof hat sie nun einen Platz erhalten.
Auch die sechs Hähne stehen beispielhaft für die Aufgabe des neuen Standortes. Sie wurden aus einem Fall von Tierhortung gerettet und sichergestellt. Im Tierheim fehlte nach Aussage von Benjamin Pasternak der notwendige Platz. Der Alshof biete dagegen geeignete Unterbringungsmöglichkeiten für die Tiere.
Eine neue Aufgabe für die Projektleiterin
Die Entwicklung des Hofes wird von Lea Gladbach-Krieger geleitet. Sie war zuvor 15 Jahre lang als Bäckergesellin tätig. Als der Verein ihr die Projektleitung anbot, nahm sie die Aufgabe an und gab ihre bisherige berufliche Tätigkeit auf.
Ihre Arbeit verbindet die Versorgung der Tiere mit dem Aufbau eines Tierschutzangebotes für Kinder und Jugendliche. Der Alshof ist damit nicht allein als Unterbringungsort gedacht. Menschen sollen dort unmittelbar erfahren, welche Bedürfnisse Tiere haben und welche Verantwortung mit ihrer Haltung verbunden ist.
Tierschutz durch praktische Mitarbeit verstehen
Einmal im Monat trifft sich bereits eine Kinder- und Jugendgruppe auf dem Alshof. Die Teilnehmenden dürfen bei den anfallenden Aufgaben mithelfen. Der WDR beschreibt, wie die 14-jährige Johanna Kraftfutter abmisst und einweicht. Der zwölfjährige Liam mistet aus, während Zoe Äpfel von der Streuobstwiese holt. Antonia führt die weiße Stute Wendy aus dem Stall und lernt, wie ein Pferd richtig gestriegelt wird.
Diese Tätigkeiten machen sichtbar, was Tierschutz im Alltag bedeutet. Tiere müssen ihren Bedürfnissen entsprechend versorgt, vor Grausamkeit geschützt und respektvoll behandelt werden. Nach Beobachtung der Projektleiterin fragen die Kinder genau nach: Sie möchten verstehen, warum bestimmte Arbeiten notwendig sind und was Pferde und Katzen brauchen, damit es ihnen gut geht.
Die praktische Mitarbeit vermittelt Verantwortung nicht nur als abstrakten Begriff. Futter vorzubereiten, einen Stall auszumisten oder ein Pferd fachgerecht zu pflegen zeigt unmittelbar, dass Tierhaltung regelmäßige Aufmerksamkeit und verlässliche Fürsorge verlangt.
Weitere Bildungsangebote sind vorgesehen
Die Kinder- und Jugendgruppe bildet den Anfang der Bildungsarbeit auf dem Hof. Geplant sind außerdem Ferienfreizeiten sowie Natur- und Tierschutzprojekte. Der Alshof soll somit zwei Aufgaben miteinander verbinden:
- die Aufnahme von Großtieren, für die im Tierheim Oekoven nicht genügend Platz vorhanden ist,
- die Versorgung der bereits aufgenommenen Pferde, Katzen und Hähne,
- die Vermittlung eines respektvollen und verantwortungsbewussten Umgangs mit Tieren,
- praktische Natur- und Tierschutzarbeit mit Kindern und Jugendlichen.
Was Leserinnen und Leser tun können
Wer den Alshof unterstützen möchte, kann sich beim Tierschutzverein Rhein-Kreis Neuss nach dem aktuellen Bedarf und möglichen Formen der Mithilfe erkundigen. Im eigenen Alltag lässt sich der Grundgedanke des Projektes ebenfalls aufgreifen: Tiere respektvoll behandeln, ihre Bedürfnisse ernst nehmen und Kindern verständlich vermitteln, dass die Haltung eines Tieres Verantwortung bedeutet.
Der Alshof zeigt, wie ein unerwarteter Nachlass für konkrete Tierschutzarbeit genutzt werden kann. Der denkmalgeschützte Hof bietet Platz für Tiere, die andernorts nicht ausreichend untergebracht werden können. Zugleich entsteht dort ein Lernort, an dem junge Menschen durch eigene Mitarbeit erfahren, wie Fürsorge und Tierschutz praktisch aussehen.
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Quelle
Quellen: Tierschutzverein erbt überraschend Bauernhof | Der Alshof: Bullerbü-Idylle für Kinder und Pferde
