Bundeswehr plant mehr Tierversuche — Tierschutzbund warnt vor Rückschritt
Die Bundeswehr will Tierversuche in der wehrmedizinischen Forschung und Ausbildung ausweiten. In ihrer Antwort auf eine Kleine Anfrage der Fraktion Die Linke rechnet die Bundesregierung aufgrund anhaltender geopolitischer Spannungen mit einem Anstieg von Tierversuchsvorhaben. Der Deutsche Tierschutzbund spricht von einem "falschen Signal" und fordert die konsequente Weiterentwicklung tierversuchsfreier Methoden.
Die Zahlen: 294 Tiere im Jahr 2024
2024 setzte das Bundesministerium der Verteidigung 294 Tiere zu wissenschaftlichen Zwecken ein. Laut der Antwort der Bundesregierung auf die Kleine Anfrage kamen insbesondere Ratten, aber auch Hunde und Schafe zum Einsatz. Die genaue Verwendung der Tiere wird als Verschlusssache eingestuft — Details zu den Versuchsreihen bleiben der Öffentlichkeit damit verborgen.
Bekannt ist jedoch, dass Tiere unter anderem eingesetzt werden sollen, um die Folgen von Nervenkampfstoffvergiftungen zu erforschen und Wirkstoffe gegen entsprechende neuromuskuläre Störungen zu testen. Auch das Üben von Operationstechniken an lebenden Tieren gehört zum Repertoire der wehrmedizinischen Ausbildung.
Wissenschaftliche Bedenken
Aus wissenschaftlicher Sicht sind diese Versuche hochproblematisch. Die Ergebnisse von Nervenkampfstoff-Versuchen an Tieren lassen sich nur schwer auf den Menschen übertragen — die physiologischen Unterschiede sind zu groß. Auch das Üben von Operationstechniken an Tieren bietet laut Untersuchungen kaum Mehrwert und kann bereits besser durch virtuelle Simulationen oder Dummies ersetzt werden.
"Tierversuche in der militärischen Forschung ausweiten zu wollen, ist das falsche Signal! Moderne, humanbasierte und tierversuchsfreie Methoden stehen bereits zur Verfügung und müssen konsequent weiterentwickelt und eingesetzt werden."
— Thomas Schröder, Präsident des Deutschen Tierschutzbundes
Reduktionsstrategie statt Ausweitung
Die vorherige Bundesregierung war bereits dabei, eine Reduktionsstrategie für Tierversuche zu erarbeiten. Der Deutsche Tierschutzbund fordert, dass die aktuelle Regierung an diesem Ansatz anknüpft, statt an veralteten und unethischen Methoden festzuhalten. Schließlich geht es nicht nur um den Schutz der Tiere, sondern auch um die Sicherheit von Menschenleben: Ergebnisse, die an Tieren gewonnen wurden, können bei der Behandlung von Soldatinnen und Soldaten fatale Fehlschlüsse nach sich ziehen.
Internationaler Vergleich
Während Deutschland auf eine Ausweitung von Tierversuchen setzt, zeichnet sich international ein anderer Trend ab. Die USA haben gerade ein Gesetz erlassen, das den Einsatz von Katzen und Hunden zu militärischen Zwecken untersagt und den Ausstieg aus Versuchen an Primaten vorsieht. Die Verwendung von Tieren für bestimmte militärische Ausbildungszwecke wurde dort bereits beendet.
Auch die Europäische Union gibt als langfristiges Ziel einen vollständigen Ersatz von Tierversuchen vor. Das EU-Recht gebietet den Ausstieg aus Tierversuchen — ein Ziel, an dem auch die Bundeswehr gemessen werden muss.
Was die Bundesregierung tun müsste
- Konsequente Weiterentwicklung tierversuchsfreier Alternativmethoden — insbesondere im Bereich der wehrmedizinischen Forschung
- Transparenz — Verschlusssachen-Status nicht als Ausrede nutzen, um tierexperimentelle Praktiken zu verbergen
- Anknüpfen an die Reduktionsstrategie der vorherigen Bundesregierung
- Umsetzung der EU-Tierversuchsrichtlinie — inklusive bevorzugter Förderung tierversuchsfreier Methoden und Obergrenzen für Schmerzen und Leiden
Was Sie tun können
Unterstützen Sie die Arbeit des Deutschen Tierschutzbundes durch Spenden oder Mitgliedschaft. Politischer Druck funktioniert: Kontaktieren Sie Ihren Bundestagsabgeordneten und fordern Sie eine Reduktionsstrategie für Tierversuche bei der Bundeswehr. Informieren Sie sich über tierversuchsfreie Forschung und teilen Sie diesen Artikel, um das Bewusstsein zu stärken.
Quellen:
