Zwei gerettete Seehunde kehren in Alaska ins Meer zurück
Am Nordstrand von Kenai haben Stanley Sealton und Ester ihre Rehabilitation erfolgreich beendet. Mehrere hundert Menschen beobachteten, wie Beschäftigte des Alaska SeaLife Center die Transportboxen öffneten und die beiden Seehunde gemeinsam ins Meer zurückkehrten. Sie waren die letzten rehabilitierten Seehunde der Saison 2026.
Viele Kinder und Familien verfolgten die Freilassung aus respektvoller Entfernung. Für die Beschäftigten und Praktikanten der Einrichtung war dieser Moment der Abschluss eines arbeitsreichen Sommers mit Betreuung rund um die Uhr. Die aufgenommenen Tiere waren laut Jane Belovarac, Leiterin der Wildtierhilfe des Zentrums, häufig abgemagert, ausgetrocknet oder krank.
Stanley musste das selbstständige Fressen lernen
Stanley Sealton war der erste aufgenommene Seehund der Saison. Er wurde abgemagert in der Nähe des Kenai River gefunden. Seine Freilassung erfolgte damit in derselben Region, aus der er in die Obhut des Alaska SeaLife Center gekommen war.
Während seiner Rehabilitation hatte Stanley zunächst Schwierigkeiten, selbstständig ganze Fische zu fressen. Diese Fähigkeit gehört jedoch zu den entscheidenden Voraussetzungen für ein Überleben ohne menschliche Versorgung. In der sogenannten „Fischschule“ werden die Seehunde nach der Entwöhnung von flüssiger Nahrung schrittweise an ganze Fische herangeführt.
Stanley entwickelte sich schließlich zu einem sicheren Fresser. Bei seiner Freilassung wog er rund 55 Pfund, also etwa 25 Kilogramm. Damit lag er über dem vom Zentrum verlangten Mindestgewicht.
Ester kam über eine Rettungskette nach Seward
Ester wurde im Juni allein auf einem abgelegenen Watt bei Tyonek entdeckt. Das Alaska SeaLife Center organisierte ihre Bergung gemeinsam mit dem Tyonek Tribal Conservation District. Anschließend wurde das Tier mit einem Privatflugzeug nach Anchorage gebracht. Von dort übernahm eine ehrenamtlich helfende Person den Transport mit dem Auto zur Pflegestation in Seward.
Die junge Seehündin war klein und untergewichtig. Während der Rehabilitation traten zudem Verdauungsprobleme auf, welche die Verwertung ihrer Nahrung beeinträchtigten. Nach der Behandlung lernte auch Ester, selbstständig Fisch zu fressen. Schließlich erfüllte sie die medizinischen und körperlichen Voraussetzungen für die Rückkehr ins Meer.
Strenge Voraussetzungen für eine Freilassung
Die Rückkehr in die freie Natur erfolgt nicht allein deshalb, weil ein Tier äußerlich kräftiger wirkt. Nach Angaben von Belovarac müssen mehrere medizinische und verhaltensbezogene Bedingungen erfüllt sein. Ein Seehund muss frei von medizinischen Problemen sein und darf keine Medikamente mehr benötigen. Außerdem muss er nachweisen, dass er selbstständig Nahrung aufnehmen und erbeuten kann.
Eine weitere Voraussetzung ist das Körpergewicht. Aufgrund des kalten Wassers in Alaska verlangt das Zentrum ein Mindestgewicht von 45 Pfund, ungefähr 20 Kilogramm. Bei ihrer Aufnahme wiegen die betreuten Seehunde üblicherweise lediglich zwölf bis 15 Pfund. Bis zur Freilassung müssen sie daher erheblich an Gewicht und körperlicher Widerstandskraft gewinnen.
Wildtierhilfe ist auf Zusammenarbeit angewiesen
Das Alaska SeaLife Center ist nach Angaben seiner Wildtierabteilung die einzige Rehabilitationsstation für Meeressäuger in Alaska. Sein Zuständigkeitsgebiet umfasst mehr als 30.000 Meilen Küstenlinie. Eine einzelne Einrichtung kann Rettungen über diese Entfernung nicht ohne Unterstützung bewältigen.
Der Fall von Ester zeigt, wie wichtig abgestimmte Hilfe ist: Naturschutzfachleute, ein Pilot und eine ehrenamtliche Fahrerin beziehungsweise ein ehrenamtlicher Fahrer ermöglichten gemeinsam den Weg zur Versorgung. Auch die Freilassung verdeutlichte einen wichtigen Grundsatz des Wildtierschutzes: Die anwesenden Menschen blieben auf Abstand und überließen den Tieren den Weg ins Wasser.
Was Leserinnen und Leser tun können
- Beobachtungen möglicherweise hilfsbedürftiger Meeressäuger an die zuständige Wildtierhilfe melden.
- Abstand halten und fachliche Anweisungen abwarten, statt eine Bergung eigenständig zu versuchen.
- Abgestimmte Hilfsangebote unterstützen, etwa notwendige Transporte oder ehrenamtliche Aufgaben.
- Bei einer Freilassung Rücksicht nehmen und den Tieren ausreichend Raum lassen.
Die Rückkehr von Stanley und Ester zeigt, wie medizinische Versorgung, schrittweise Vorbereitung und Hilfe aus den örtlichen Gemeinden zusammenwirken können. Erst nachdem beide Seehunde gesund waren, keine Medikamente mehr benötigten, selbstständig fraßen und das erforderliche Gewicht erreicht hatten, durften sie ins Meer zurückkehren.
Quelle
Quellen: Hundreds cheer as rescued Alaska seals return to the wild | First Harbor Seal Pup of the Season Admitted from Kenai, Alaska
