Wusstest du? Ratten lachen beim Spielen

Wusstest du? Ratten lachen beim Spielen

· 2026-08-23 · Quelle ↗

Wusstest du? Ratten „lachen“ beim spielerischen Umgang mit Menschen

Ratten können bei einer spielerischen Mensch-Tier-Interaktion Ultraschallrufe mit einer Frequenz von 50 Kilohertz äußern. Umgangssprachlich werden diese Lautäußerungen häufig als „Lachen“ bezeichnet. Wissenschaftlich ist diese Bezeichnung allerdings ungenau: Untersucht wurden Ultraschallvokalisationen, die bei einem vom Menschen nachgeahmten Rauf- und Rangelspiel auftreten.

Eine am 21. September 2020 veröffentlichte Untersuchung zeigt, dass die 50-Kilohertz-Rufe mehr sein können als ein bloßes Begleitgeräusch. Nach den Ergebnissen bilden sie den durch die Interaktion hervorgerufenen positiven Gefühlszustand messbar und abgestuft ab. Die Anzahl beziehungsweise Ausprägung der Rufe kann damit Hinweise darauf geben, wie positiv eine einzelne Ratte die Behandlung erlebt.

Warum positive Gefühle für den Tierschutz wichtig sind

Die Forschenden bezeichnen positive tierliche Emotionen als einen wesentlichen Bestandteil guten Tierwohls. Solche positiven Gefühlszustände spielen außerdem eine wichtige Rolle bei der Stressbewältigung und Widerstandsfähigkeit. Für die Tierwohlforschung ist es deshalb entscheidend, positive Emotionen nicht nur hervorrufen, sondern auch zuverlässig messen zu können.

Genau darin liegt eine wissenschaftliche Schwierigkeit: Geeignete Verfahren zum Erzeugen und Erfassen positiver Gefühlszustände sind nur begrenzt verfügbar. Bei Ratten gilt das vom Menschen nachgeahmte Rauf- und Rangelspiel, häufig als Kitzeln bezeichnet, als eine vielversprechende Möglichkeit, einen positiven Zustand hervorzurufen.

Doch eine spielerisch gemeinte Berührung ist nicht automatisch für jedes Individuum angenehm. Die Untersuchung verweist darauf, dass selbst beim Menschen Kitzeln sowohl Freude als auch Unbehagen auslösen kann. Weder das sogenannte Duchenne-Lächeln, ein anerkannter nonverbaler Hinweis auf positive Gefühle, noch menschliches Lachen bildet diese Unterschiede zuverlässig ab.

Ratten reagieren nicht alle gleich

Auch Ratten unterscheiden sich individuell in ihrer Reaktion auf das Kitzeln. Diese Unterschiede sind aus Tierschutzsicht besonders bedeutsam. Soll die spielerische Behandlung nur dann eingesetzt werden, wenn sie tatsächlich einen positiven Gefühlszustand hervorruft, muss die Reaktion des einzelnen Tieres zuverlässig erfasst werden.

Die Arbeitsgruppe um Jessica K. Hinchcliffe, Michael Mendl und Emma S. J. Robinson untersuchte deshalb, ob die 50-Kilohertz-Ultraschallrufe als messbarer Hinweis dienen können. Dazu verwendeten die Forschenden einen geprüften und objektiven Test zur affektiven Wertigkeit, den Test zur affektiven Verzerrung.

Das Ergebnis: Die Ultraschallvokalisationen lieferten ein quantifizierbares und abgestuftes Maß für positive Gefühle. Sie spiegelten den positiven Zustand, der durch die untersuchte Mensch-Ratte-Interaktion hervorgerufen wurde, nach Angaben der Forschenden genau wider. Die Rufe zeigen demnach nicht lediglich ein einfaches „positiv“ oder „nicht positiv“ an, sondern können Abstufungen des positiven Zustands erfassen.

Warum „Lachen“ nur eine anschauliche Kurzform ist

Der Vergleich mit menschlichem Lachen macht das Verhalten leicht verständlich, darf aber nicht zu einer Gleichsetzung führen. Die Studie untersucht Ultraschallvokalisationen bei 50 Kilohertz und bezeichnet sie nicht als menschliches Lachen. Entscheidend ist ihre Funktion als messbarer Hinweis auf einen positiven Gefühlszustand.

Ebenso wenig folgt aus den Ergebnissen, dass jede Ratte eine solche Interaktion positiv erlebt. Gerade die ausdrücklich beschriebenen individuellen Unterschiede sprechen gegen pauschale Annahmen. Eine menschliche Absicht, mit einem Tier zu spielen, genügt nicht als Beleg dafür, dass das Tier die Situation ebenfalls angenehm findet.

Was bedeutet das für den Tierschutz im Alltag?

Aus der Untersuchung lassen sich wichtige Grundsätze für einen verantwortungsvollen Umgang ableiten:

  • Eine spielerische Behandlung sollte nicht automatisch als positiv bewertet werden.
  • Die individuelle Reaktion einer Ratte muss berücksichtigt werden.
  • Eine menschliche Deutung wie „Die Ratte lacht“ ersetzt keine objektive Beurteilung ihres Gefühlszustands.
  • Wo Kitzeln gezielt eingesetzt wird, sollte es nur dort erfolgen, wo tatsächlich ein positiver Zustand erfasst wird.
  • Unterschiede zwischen einzelnen Tieren dürfen nicht übergangen werden.

Für Leserinnen und Leser bedeutet das vor allem: Tierverhalten sollte nicht allein nach menschlichen Maßstäben interpretiert werden. Wer mit Ratten spielerisch umgeht, sollte die Möglichkeit individueller Unterschiede ernst nehmen und nicht voraussetzen, dass dieselbe Behandlung bei jedem Tier dasselbe Gefühl auslöst. Die Studie unterstreicht damit einen zentralen Tierschutzgedanken: Maßgeblich ist nicht nur, was ein Mensch beabsichtigt, sondern wie das einzelne Tier die Interaktion erlebt.

Quelle

Hinchcliffe, Jessica K.; Mendl, Michael; Robinson, Emma S. J.: „50-Kilohertz-Rufe von Ratten spiegeln abgestufte, durch Kitzeln ausgelöste positive Emotionen wider“. Current Biology, Band 30, Ausgabe 18, Seiten R1034–R1035, veröffentlicht am 21. September 2020. https://doi.org/10.1016/j.cub.2020.08.038

Quellen: Rat 50 kHz calls reflect graded tickling-induced positive emotion | Crying With Laughter: Adapting the Tickling Protocol to Address Individual Differences Among Rats in Their Response to Playful Handling | Keeping Pet Rats Together

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