Wusstest du? Kühe benutzen Werkzeuge

Wusstest du? Kühe benutzen Werkzeuge

· 2026-08-28 · Quelle ↗

Kuh Veronika gebraucht einen Besen gezielt als Werkzeug

Veronika ist 13 Jahre alt und lebt als Haustier in Nötsch im Süden Österreichs. Die Braunvieh-Kuh hat eine ungewöhnliche Möglichkeit entwickelt, schwer erreichbare Körperstellen zu kratzen: Sie hebt einen Besen mit der Zunge auf, richtet ihn aus und setzt ihn gezielt ein. Dabei verwendet sie den Gegenstand nicht immer auf dieselbe Weise, sondern passt seinen Gebrauch an die jeweilige Körperregion an.

Gerade diese Anpassungsfähigkeit macht Veronikas Verhalten für die Forschung bedeutsam. Es handelt sich nicht lediglich um eine zufällige Berührung mit einem Gegenstand. Die Kuh wählt zwischen zwei unterschiedlich beschaffenen Enden des Besens und bewegt diese jeweils auf andere Weise.

Borsten für den Rücken, Stiel für empfindlichere Bereiche

Wenn Veronika feste und breite Stellen ihres Rückens erreichen möchte, bevorzugt sie die Borsten. Dabei führt sie große, schwungvolle Bewegungen aus. An weicheren und nachgiebigeren Körperregionen wie Bauch oder Euter dreht sie den Besen dagegen um. Dort verwendet sie das Stielende und bewegt es vorsichtiger.

Der Besen erfüllt für sie somit mehr als nur eine Aufgabe. Welches Ende sie benutzt und wie sie es bewegt, hängt davon ab, welche Körperstelle sie erreichen möchte. Die Unterschiede betreffen sowohl die Beschaffenheit des eingesetzten Besenendes als auch die Art der Bewegung.

Diese Beobachtung ist auch deshalb bemerkenswert, weil Veronika den Besen mit der Zunge aufnehmen und ausrichten muss. Erst danach kann sie das passende Ende an die gewünschte Körperregion führen. Das Verhalten besteht damit aus mehreren aufeinander abgestimmten Schritten.

Das Verhalten wurde experimentell geprüft

Forschende der Veterinärmedizinischen Universität Wien untersuchten Veronikas Verhalten in einem Versuch. Dabei wechselte die Ausrichtung der Borsten zufällig. Dokumentiert wurde, welches Ende des Besens die Kuh auswählte und welche Körperregion sie damit erreichte.

Auf diese Weise ließ sich prüfen, ob Veronika unabhängig von der jeweiligen Ausgangslage zwischen Borsten und Stiel unterschied. Das Ergebnis belegt erstmals experimentell einen flexiblen Mehrzweck-Werkzeuggebrauch bei einem Rind. Entscheidend ist dabei nicht allein, dass die Kuh einen Gegenstand zum Kratzen benutzt. Ausschlaggebend ist vielmehr, dass sie unterschiedliche Teile desselben Gegenstands für unterschiedliche Aufgaben einsetzt.

Ein Einzelfall mit wichtiger Aussagekraft

Veronika ist ein einzelnes Tier. Aus ihrem Verhalten lässt sich daher nicht ableiten, dass jede Kuh einen Besen auf dieselbe Weise verwenden würde. Die Untersuchung zeigt jedoch, dass ein Rind grundsätzlich zu einem derart flexiblen Werkzeuggebrauch fähig sein kann.

Damit stellt der Fall die verbreitete Annahme infrage, Rinder seien geistig schlicht. Zugleich macht er deutlich, wie vorsichtig Ergebnisse einzelner Tiere eingeordnet werden müssen. Die Untersuchung beschreibt eine nachgewiesene Fähigkeit Veronikas, nicht automatisch eine Fähigkeit, die bei allen Rindern sichtbar wird.

Veronika lebt in einer abwechslungsreichen Umgebung und hatte Zugang zu Gegenständen. Die Forschenden halten diese Bedingungen für einen möglichen Grund dafür, dass sich ihr Verhalten zeigen und verfeinern konnte. Das bedeutet nicht, dass dieselben Bedingungen zwangsläufig bei jedem Rind zum Werkzeuggebrauch führen. Es unterstreicht aber, dass die Umgebung beeinflussen kann, welche Fähigkeiten ein Tier überhaupt ausüben und sichtbar machen kann.

Was bedeutet der Fall für den Tierschutz?

Tiere müssen keine Werkzeuge verwenden, um Schutz und eine gute Haltung zu verdienen. Ihr Wohlergehen darf nicht davon abhängen, ob sie Fähigkeiten zeigen, die Menschen als besonders klug oder überraschend bewerten. Veronikas Verhalten erinnert dennoch daran, vorschnelle Urteile über sogenannte Nutztiere zu hinterfragen.

Für den Tierschutz ergibt sich daraus ein wichtiger Blickwinkel: Haltung sollte nicht nur körperliche Versorgung berücksichtigen, sondern Tieren auch Möglichkeiten geben, ihre Umgebung wahrzunehmen, zu erkunden und mit ihr umzugehen. Veronikas Beispiel zeigt, warum Beobachtung und eine abwechslungsreiche Umgebung bedeutsam sein können.

Was Leserinnen und Leser tun können

  • Verallgemeinernde Aussagen über die angeblich geringe Intelligenz von Rindern kritisch hinterfragen.
  • Bei der Beurteilung von Tierhaltung auch auf Beschäftigungsmöglichkeiten und eine abwechslungsreiche Umgebung achten.
  • Forschungsergebnisse genau lesen und zwischen dem Verhalten eines einzelnen Tieres und Aussagen über eine gesamte Tierart unterscheiden.
  • Informationen über Rinder und andere sogenannte Nutztiere aus wissenschaftlich nachvollziehbaren Quellen weitergeben.
  • Bei eigenen Konsumentscheidungen berücksichtigen, unter welchen Bedingungen Tiere gehalten werden.

Quelle

Quellen: Flexible use of a multi-purpose tool by a cow | Flexible use of a multi-purpose tool by a cow | Tierische Intelligenz: Kluge Kärntner Kuh verblüfft Wissenschaft

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