Hummeln und Holzkugeln: Studie liefert Hinweise auf Spielverhalten
Hummeln werden häufig vor allem im Zusammenhang mit ihrer Rolle als Bestäuber betrachtet. Eine am 27. Oktober 2022 vorgestellte Untersuchung richtet den Blick dagegen auf ihr Verhalten und mögliche positive innere Zustände. Nach Angaben der Queen Mary University of London kamen die Forschenden zu dem Ergebnis, dass Hummeln spielen. Die wissenschaftliche Arbeit wurde in der Fachzeitschrift Animal Behaviour veröffentlicht.
Im Mittelpunkt der Untersuchung stand ein Verhalten, bei dem Hummeln Holzkugeln bewegten. Die beteiligten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler führten mehrere Versuche durch, um ihre Annahme zu prüfen. Sie ordneten das beobachtete Verhalten als Objektspiel ein. Nach Darstellung der Universität ist es das erste Mal, dass ein solches Objektspiel bei einem Insekt nachgewiesen wurde.
Was mit Objektspiel gemeint ist
Der Begriff Objektspiel bezeichnet in diesem Zusammenhang die spielerische Beschäftigung eines Tieres mit einem Gegenstand. Entscheidend ist die wissenschaftliche Einordnung des beobachteten Verhaltens. Die Aussage lautet nicht bloß, dass sich eine Kugel bewegte, während sich eine Hummel in ihrer Nähe befand. Die Forschenden prüften ihre Annahme durch mehrere Versuche und kamen anschließend zu dem Schluss, das Verhalten als Spiel zu bewerten.
Diese Unterscheidung ist wichtig. Wenn Menschen ein Tier beobachten, besteht immer die Gefahr, dessen Verhalten vorschnell mit menschlichen Absichten oder Gefühlen zu erklären. Die Untersuchung liefert einen wissenschaftlich begründeten Hinweis auf Spielverhalten, erlaubt aber keine Gleichsetzung des Erlebens von Hummeln mit dem menschlichen Erleben.
Ein besonderer Befund bei einem Insekt
Die Bedeutung der Arbeit liegt vor allem darin, dass Objektspiel nach Angaben der Queen Mary University of London erstmals bei einem Insekt gezeigt wurde. Die Universität ordnet den Befund zugleich in eine wachsende Zahl von Hinweisen ein, wonach Bienen möglicherweise positive „Gefühle“ erleben können.
Das Wort „möglicherweise“ ist dabei entscheidend. Die Mitteilung behauptet nicht, dass sich ein innerer Zustand der Tiere unmittelbar messen oder vollständig beschreiben lasse. Sie spricht von Hinweisen. Das Kugelrollen ist demnach ein beobachtbares Verhalten, das nach der Auswertung der Versuche mit Spiel vereinbar ist. Welche Empfindung eine Hummel dabei genau hat, lässt sich daraus nicht unmittelbar ableiten.
Auch konkrete Einzelheiten sollten nur dann genannt werden, wenn sie durch die wissenschaftliche Veröffentlichung oder eine verlässliche Darstellung belegt sind. Die hier herangezogene Mitteilung bestätigt die Durchführung mehrerer Versuche, das Rollen von Holzkugeln, die Einordnung als Objektspiel und die besondere Bedeutung des Befundes für die Erforschung von Insektenverhalten.
Warum der Befund für den Tierschutz bedeutsam ist
Für den Tierschutz erweitert die Untersuchung die Perspektive auf Hummeln. Wenn wissenschaftliche Ergebnisse darauf hindeuten, dass ein Insekt freiwilliges Spielverhalten zeigt und möglicherweise positive innere Zustände erlebt, sollte sein Wohlergehen nicht allein aufgrund seiner Tiergruppe geringgeschätzt werden.
Aus dem Befund folgt jedoch nicht, dass Menschen Hummeln zu eigenen Versuchen heranziehen oder das Kugelrollen nachstellen sollten. Wissenschaftliche Untersuchungen beruhen auf geplanten Versuchsbedingungen und einer fachlichen Auswertung. Eine private Nachahmung kann weder die Aussagekraft der Studie wiederholen noch zuverlässig zeigen, was ein einzelnes Tier empfindet.
Was Leserinnen und Leser tun können
- Hummeln ruhig beobachten, ohne sie anzufassen oder zu einer bestimmten Handlung zu drängen.
- Keine eigenen Versuche mit Holzkugeln oder anderen Gegenständen durchführen.
- Aufnahmen von Hummeln nicht automatisch als Beweis für Freude, Absicht oder Spiel verbreiten.
- Bei Berichten über Tierverhalten zwischen beobachtetem Verhalten und vermuteten inneren Zuständen unterscheiden.
- Die Möglichkeit komplexer Verhaltensweisen auch bei Insekten in alltägliche Tierschutzentscheidungen einbeziehen.
- Beim Teilen der Untersuchung auf die vorsichtige Formulierung achten: Die Arbeit liefert Hinweise auf Objektspiel und mögliche positive Zustände, aber keine vollständige Erklärung des Erlebens einer Hummel.
Eine vorsichtige, aber wichtige Schlussfolgerung
Die 2022 veröffentlichte Arbeit verändert nicht automatisch alles, was über Hummeln bekannt ist. Sie dokumentiert jedoch nach Angaben der Universität erstmals Objektspiel bei einem Insekt. Damit eröffnet sie eine weiterführende Frage: Welche Verhaltensweisen und inneren Zustände werden bei kleinen Tieren möglicherweise übersehen?
Für einen verantwortungsvollen Tierschutz genügt bereits diese offene Möglichkeit, um Hummeln mit größerer Rücksicht zu begegnen. Wissenschaftliche Vorsicht und Mitgefühl schließen sich dabei nicht aus. Vielmehr sprechen beide dafür, beobachtetes Verhalten ernst zu nehmen, ohne mehr zu behaupten, als die Untersuchung tatsächlich belegt.
Quelle
Quellen: First-ever study shows bumble bees “play” | Do bumble bees play? | Are these bumble bees playing with toys?
