Wie ganze Beutetiere den Tagesrhythmus von Zooköwen verändern
Wie viel Futter ein Tier erhält, ist nur ein Teil guter Haltung. Ebenso wichtig können Form, Zeitpunkt und Aufwand der Nahrungsaufnahme sein. Eine 2026 veröffentlichte Studie der Adelaide University und des Monarto Safari Park zeigt das am Verhalten von drei erwachsenen männlichen Afrikanischen Löwen.
Drei Monate Beobachtung, acht Wochen neuer Fütterungsrhythmus
Die Löwen wurden drei Monate lang mit acht Infrarotkameras beobachtet. Während einer achtwöchigen Versuchsphase erhielten sie ungefähr alle neun Tage einen rund 200 Kilogramm schweren ganzen Känguru- oder Ziegenkadaver. Das Futter blieb zwei bis drei Tage verfügbar; anschließend folgten sechs bis sieben Tage ohne weitere Fütterung.
Fast dreimal so lange mit Fressen beschäftigt
An den Tagen mit einem Kadaver verbrachten die Tiere im Mittel 76,4 Minuten mit der Nahrungsaufnahme. Vor der Versuchsphase waren es durchschnittlich 25,7 Minuten pro Tag. Die Löwen rissen, zogen und bearbeiteten ihre Nahrung, ruhten in den ersten Tagen nach der Mahlzeit mehr und wurden im weiteren Verlauf der Fastenphase wieder aktiver.
Die Forschenden beobachteten keine Zunahme von Aggressionen oder sozialer Instabilität. Das stereotype Auf-und-ab-Gehen nahm im zweiten Versuchsmonat zwar zu, stieg aber nicht schrittweise mit den Fastentagen. Spitzen traten vor allem rund um die Ankunft von Pflegenden und Veränderungen im Gehege auf. Die Studie liefert deshalb keinen einfachen Beleg dafür, dass Fasten stereotype Verhaltensweisen reduziert.
Verändertes Verhalten ist noch kein Beweis für besseres Tierwohl
Die Aussagekraft der Untersuchung ist begrenzt: Sie umfasste nur drei gleichaltrige Männchen in einer einzigen Einrichtung und erfasste Verhalten auf Gruppenebene. Die Ergebnisse zeigen daher nicht, dass sich das körperliche oder psychische Wohlbefinden der Tiere verbessert hat.
Sie machen jedoch deutlich, dass Fütterung weit mehr ist als reine Versorgung mit Energie. Eine aufwendigere Nahrungsaufnahme und ein wechselnder Rhythmus können einen großen Teil des Tagesverhaltens beeinflussen. Weitere Studien mit mehr Tieren und zusätzlichen körperlichen Messwerten müssen klären, welche Folgen dies tatsächlich für das Tierwohl hat.
Quellen
- Hryhorenko et al.: Effects of implementing a whole-carcass feeding routine on the behaviour of zoo-housed African lions (Panthera leo), Applied Animal Behaviour Science 301 (2026), 107041
- Adelaide University: Zoo-housed lions show wild-style behaviours when fed whole carcasses, 06.08.2026
- Earth.com: Feast-and-fast feeding brings out wild behavior in zoo lions, 07.08.2026
Bildhinweis: KI-generierte, symbolische Illustration; keine Originalaufnahme der Studie.
