Tierschutzbund verklagt Bundesregierung

Tierschutzbund verklagt Bundesregierung

· 2026-08-07

Tierschutzbund verklagt Bundesregierung: Tierheime vor dem Kollaps

Tierheime in Deutschland stehen vor dem Kollaps. Der Investitionsstau beläuft sich auf mindestens 160 Millionen Euro. Immer mehr Tiere bleiben länger, die Kosten explodieren. Und im Bundeshaushalt 2026 ist kein Cent für Tierheime vorgesehen. Der Deutsche Tierschutzbund reicht nun Klage ein.

Was ist passiert?

Im Mai 2026 hat der Deutsche Tierschutzbund zusammen mit vier weiteren Tierschutzvereinen eine Untätigkeitsklage beim Verwaltungsgericht Köln gegen die Bundesrepublik eingereicht. Verklagt wird das Bundeslandwirtschaftsministerium unter Alois Rainer (CSU). Der Vorwurf: Der Bund kommt seiner verfassungsrechtlichen Pflicht nicht nach, den praktischen Tierschutz angemessen zu unterstützen.

Seit 2002 ist Tierschutz als Staatsziel in Artikel 20a des Grundgesetzes verankert. Der Tierschutzbund will nun gerichtlich klären lassen, dass der Bund aufgrund dieses Staatsziels verpflichtet ist, Tierheime auch finanziell zu stützen.

Die Lage in den Tierheimen

Die Tierheime bundesweit stehen vor einer existenzbedrohenden Krise. Die Belastungen sind nicht mehr zu schultern: Steigende Tierarztkosten, höhere gesetzliche Auflagen im Seuchen- und Arbeitsschutz, neue energetische Vorgaben und der Investitionsstau von mindestens 160 Millionen Euro. Viele Einrichtungen haben bereits Aufnahmestopps verhängt.

Der Corona-Haustierboom hat die Lage zusätzlich verschärft. Immer mehr Tiere bleiben immer länger in den Heimen. Eine fehlende deutschlandweite Kastrationspflicht für frei laufende Katzen sorgt für weiteres Wachstum der Tierzahlen. Tierheime finanzieren sich größtenteils aus Spenden, Mitgliedsbeiträgen und Nachlässen — staatliche Unterstützung gibt es kaum.

Die Sportmilliarde als Kontrast

Besonders bitter: Die Bundesregierung hat eine Milliarde Euro für die Sanierung kommunaler Sportstätten bereitgestellt — die sogenannte Sportmilliarde. Für Tierheime ist im Haushalt 2026 dagegen nichts vorgesehen. Einmalige Zuschüsse in der Vergangenheit — 2021 und 2022 jeweils fünf Millionen Euro — waren nur ein Tropfen auf den heißen Stein.

Thomas Schröder, Präsident des Deutschen Tierschutzbundes, sagt deutlich: „Spätestens mit der Sportmilliarde ist klar: Wenn die Bundesregierung handeln will, kann sie handeln. Für die Tierheime müsste mindestens dasselbe drin sein. Stattdessen werden wir alleingelassen. Wenn Kunstrasen wichtiger ist als das Leben von Hunden und Katzen und kein politischer Wille erkennbar ist, zu unterstützen, dann müssen die Gerichte das erzwingen."

Ein Staatsversäumnis

Das ist kein Spendenproblem. Das ist ein Staatsversäumnis. Tierheime erfüllen eine gesellschaftliche Aufgabe, die der Staat seit Jahrzehnten vor sich herschiebt. Der Tierschutzbund betritt mit der Klage juristisches Neuland: Es ist das erste Mal, dass gerichtlich geklärt werden soll, ob der Bund aufgrund des Staatsziels Tierschutz verpflichtet ist, den praktischen Tierschutz finanziell zu unterstützen.

Kurz gesagt

Tierheime stehen vor dem Kollaps, der Bund hat 2026 kein Geld vorgesehen, aber eine Milliarde für Sportstätten. Der Tierschutzbund klagt beim Verwaltungsgericht Köln darauf, dass der Bund seiner verfassungsmäßigen Pflicht nachkommt. Tierschutz ist Staatsziel — und kein Gefälligkeitsposten.

Quellen: Spiegel – Tierschutzbund verklagt Bundesregierung | Deutscher Tierschutzbund – Klage gegen die Bundesrepublik

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