Elefanten nutzen namensähnliche Rufe

Elefanten nutzen namensähnliche Rufe

· 2026-09-24 · Quelle ↗

Elefanten sprechen einander offenbar mit namensähnlichen Rufen an

Persönliche Namen gehören zu den universellen Merkmalen menschlicher Sprache. Ein Name verweist auf ein bestimmtes Individuum, ohne üblicherweise dessen eigene Laute nachzuahmen. Eine am 10. Juni 2024 in der Fachzeitschrift Nature Ecology & Evolution veröffentlichte Studie liefert Hinweise darauf, dass wild lebende afrikanische Elefanten eine vergleichbare Form der individuellen Anrede verwenden.

Die Forschenden berichten, dass Elefanten einander mit individuell spezifischen Rufen ansprechen. Besonders bemerkenswert ist, dass diese Rufe vermutlich nicht auf einer Nachahmung der Laute des angesprochenen Tieres beruhen. Damit unterscheiden sie sich von den in der Veröffentlichung genannten Beispielen bei Delfinen und Papageien: Diese Tiere können Artgenossen ansprechen, indem sie deren charakteristische Rufe nachahmen.

Warum Namen sprachlich besonders sind

Ein Laut, der unabhängig von den typischen Lauten seines Bezugswesens für ein bestimmtes Individuum steht, besitzt eine besondere sprachliche Funktion. Nach Darstellung der Forschenden erweitert eine solche Benennung die Ausdrucksmöglichkeiten von Sprache grundlegend. Die Suche nach vergleichbaren Fähigkeiten bei anderen Tierarten ist deshalb auch für die Erforschung der Sprachentwicklung bedeutsam.

Die Studie bezeichnet die untersuchten Elefantenrufe vorsichtig als namensähnlich. Sie setzt diese Signale nicht mit menschlichen Namen gleich. Die Ergebnisse liefern vielmehr Hinweise auf eine individuelle Anrede, deren genaue sprachliche Eigenschaften noch nicht vollständig geklärt sind.

Maschinelle Auswertung erkennt den Empfänger

Für ihre Untersuchung werteten die Forschenden die akustische Struktur von Rufen wild lebender afrikanischer Elefanten mithilfe maschinellen Lernens aus. Das Verfahren konnte aus den Lautmerkmalen vorhersagen, an welches Tier ein Ruf gerichtet war.

Entscheidend war dabei, dass diese Vorhersage unabhängig davon gelang, wie stark ein Ruf den eigenen Lautäußerungen des Empfängers ähnelte. Das spricht nach Einschätzung des Forschungsteams dagegen, dass ein rufender Elefant lediglich die Stimme oder einen typischen Ruf des angesprochenen Tieres nachahmt.

Die Veröffentlichung enthält außerdem gemischte Befunde zu der Frage, ob verschiedene rufende Tiere für denselben Empfänger ähnliche Bezeichnungen verwenden. Die Studie belegt daher nicht, dass alle Elefanten eine einheitliche, gemeinsam verwendete Namensform für ein bestimmtes Tier besitzen.

Abspielversuche stützen die Schlussfolgerung

Zusätzlich zur rechnerischen Auswertung führten die Forschenden Abspielversuche durch. Dabei hörten Elefanten einerseits Rufe, die ursprünglich an sie selbst gerichtet gewesen waren. Andererseits wurden ihnen Rufe desselben rufenden Tieres vorgespielt, die ursprünglich einem anderen Individuum gegolten hatten.

Die Elefanten reagierten unterschiedlich auf diese beiden Arten von Aufnahmen. Auf ursprünglich an sie gerichtete Rufe antworteten sie anders als auf Rufe, die einen anderen Empfänger gehabt hatten. Dieser Befund stützt die Annahme, dass die Tiere erkennen können, ob ein Ruf ihnen gilt.

Was die Studie nicht nachweist

Aus den Ergebnissen folgt nicht, dass Elefanten Namen genauso bilden oder gebrauchen wie Menschen. Die Untersuchung liefert Belege für individuell spezifische Anrede, nicht für ein vollständig beschriebenes Namenssystem. Auch die Frage, ob mehrere Tiere stets dieselbe Bezeichnung für ein bestimmtes Individuum verwenden, wird durch die vorliegenden Ergebnisse nicht eindeutig beantwortet.

Ebenso untersucht die Veröffentlichung keine unmittelbaren Tierschutzmaßnahmen. Aus ihr lassen sich daher keine konkreten Aussagen darüber ableiten, wie bestimmte Schutzprogramme gestaltet werden müssen. Die wissenschaftliche Bedeutung liegt zunächst in dem Nachweis, dass die Kommunikation afrikanischer Elefanten Informationen über den jeweils angesprochenen Empfänger enthalten kann.

Bedeutung für den Tierschutz

Für die öffentliche Auseinandersetzung mit Elefanten ist eine sorgfältige Einordnung wichtig. Die Studie beschreibt die Tiere nicht als bloße Erzeuger austauschbarer Rufe, sondern legt nahe, dass sie einzelne Artgenossen gezielt ansprechen. Dieses Ergebnis kann dazu beitragen, Elefanten konsequenter als individuelle Lebewesen wahrzunehmen.

Im Tierschutzalltag bedeutet das vor allem, wissenschaftliche Erkenntnisse präzise wiederzugeben. Aus „namensähnlichen Rufen“ sollten weder menschliche Gespräche noch ein vollständig entschlüsseltes Namenssystem gemacht werden. Übertreibungen würden die tatsächliche Aussagekraft der Forschung verdecken.

Was Leserinnen und Leser tun können

  • Die Originalveröffentlichung lesen und bei der Weitergabe der Ergebnisse zwischen Belegen und Vermutungen unterscheiden.
  • Von „namensähnlichen“ oder „individuell spezifischen“ Rufen sprechen, statt menschliche Sprache zu unterstellen.
  • Darauf hinweisen, dass sowohl die maschinelle Auswertung als auch die Abspielversuche die individuelle Anrede stützen.
  • Bei Aussagen über Elefantenkommunikation nach überprüfbaren wissenschaftlichen Quellen fragen.
  • Tierschutzdebatten so führen, dass Elefanten als einzelne Tiere und nicht nur als abstrakte Bestände betrachtet werden.

Quelle

Nature Ecology & Evolution: Afrikanische Elefanten sprechen einander mit individuell spezifischen, namensähnlichen Rufen an, Band 8, Seiten 1353–1364, veröffentlicht am 10. Juni 2024; Autorenkorrektur veröffentlicht am 17. Juli 2025.

Quellen: African elephants address one another with individually specific name-like calls | Elephants have names like people

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